DIE FLEISCHBANK Scala

AB 30.09.2017

DIE FLEISCHBANK

Man schwebt in die spätere Nachkriegszeit zurück. Ein kleines Fleischhauergeschäft am Stadtrand betrieben vom „freundlichen“ Meister Arnulf (Georg Kusztrich) welcher in seiner einfachen Denkweise versucht nirgens anzuecken. Dies kostet im Verlauf der Zeit seine Nerven und erzeugt Frust. Umringt von verschiedenen Figuren wie der süßelnden Kundin, Frau Dalma (Birgit Wolf) welche immer jammert was sie für ihren Mann den einkaufen solle und in Wirklichkeit nur das Gespräch und die Machtausübung als Kundin – ihre Einkäufe auf Schulden – gegenüber Arnulf sucht. Der Spezi Heinz (Leopold Selinger) welcher sich im Geschäft genüßlich, schleimig und berechnend vom Meister aushalten läßt. Schon tritt Harry Banderit (Bernie Feit) als eine Art Wirtschaftskammerfunktionär auf und reizt seine nebulose Kammerkontrolltätigkeit zur Erpressungsmöglichkeit für Kleingewerbebetriebe. Weiterer Frust für Arnulf. Sehr gekonnt erwähnt Harry seine Naturalienwünsche im Gegenzug des Übersehens von kleineren Unzulänglichkeiten. Berni Feit in seiner tollen Wandlungsfähigkeit, spielt zusätzlich einen Behinderten. In beiden Rollen äußerst glaubwürdig. Großen Auftritt hat auch Christina Saginth als Hedwig (der Freundin von Arnulf). Arnulf der einfach gestrickte Fleischhauer freut sich auf die für ihn abfallenden Krümchen aus dem Umfeld Hedwigs und sammelt dabei einen Frust nach dem andern in seiner Zuneigung zu ihr. Die hübsche Freundin zieht soviel Vorteile als möglich aus dieser Pseudoliaison um sich ein leichtes Leben zu ermöglichen. Nach jedem Frusterlebnis tritt das Schweinchen als Erscheinung (Lara Buchsteiner) auf mit sogenannten Lebensweisheiten wie:

„A jeder Mensch, der lebt sein Leb`n der eine packt´s der andre net . . . „ oder „Ana hat imma das Bummerl ana muass immer verlier`n . . . . .“

Auszug von Horst Chmela

Langsam wird die Welt des Fleischhauers für ihn unüberschaubar und wirklichkeitsfremd. Es bahnt sich eine geistige Kurzschlußhandlung an. Gerade als der alte Geldbriefträger Pletterscheck (Michael Reiter), welcher auch jeden Tag vorbei kommt, im Lokal ist und Arnulf eine technische Hilfe benötigt, ergibt sich, das Arnulf die Nerven verliert und den Postler umbringt. Die darauffolgende Totalentkleidung hat weniger zum Verständnis der Handlung beigetragen. Das Publikum hätte sicher auch so verstanden daß der Beamte bei der Kurzschlußhandlung im Kühlhaus landete. Arnulf nimmt das Geld und kauft sich Dinge, auch für Hedwig, welche sonst für ihn kaum erreichbar wären. Da der Briefträger nicht mehr auftauchte wurde ein Verbrechen angenommen und die Polizei eingeschaltet. Kriminalkommissar (Karl Maria Kinsky) spielt sehr überzeugend den harmlosen Bullen. Arnulf meint schon die Täuschung sei gelungen und er beging, weil`s so lustig und leicht war, seinen zweiten Briefträgermord (junger Briefträger: Florian-Raphael Schwarz). Wieder endet die Spur des Beamten bei Arnulfs Geschäft. Jetzt faßt in der Kommissar. Das Stück spielt in einer Zeit nach dem 2. Weltkrieg, wo die meisten Schauspieler noch nicht lebten. Sie fingen jedoch mit großer Sicherheit die Handlungsweise der damaligen Gesellschaft exzellent ein. Der von allen geknechteten Arnulf in langsam steigendem Frust mit Kunden „Freundin“ und „Freunden“ sowie Umfeld dieser Zeit, konnte von Georg Kustrich so dargestellt werden, daß die darauffolgende Explosion (Mord) merklich zu spühren war. Christina Saginth schlüpfte nahtlos in die Rolle der Hedwig. Diese menschlichen Lockreize welche sie gegenüber Arnulf mit Zuckerbrot und Peitsche aussandte, waren besonders eindeutig und wirklichkeitsnah. Eine Freude beim Zusehen und Genießen. Birgitt Wolf und Leopold Selinger als Frau Dalma und Heinz konnten die Greißlermentalität so glaubhaft auferstehen lassen, daß auch die Generation welche die kleinen Greißler- und Fleischhauergeschäfte nicht mehr selbst erlebten, sich eine ausreichende Vorstellung machen können. Der anhaltende Applaus für das beherzt gespielte Stück entlohnten alle Mitwirkenden.

Regie, Bühnenbild, Kostüme, Musik, Maske, Choreografie, -Peter M. Preissler, Marcus Ganser u. Bruno Max, Alexandra Fitzinger, Fritz Rainer, Gerda Fischer u Monika Krestan,Andreas Pamperl, Zeynep Buyrac konnten ein überzeugendes Stück mit tiefersitzenden gesellschaftlichem Hintergrund kreieren.

Rezension von:

Alfred Klein infos-news

Comments are closed.