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DER JÜNGSTE TAG Scala

Montag, Februar 5th, 2018

 

Susanne Preissl, Christian Kainradl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fahrdienstleiter Hudetz führt seit
vielen Jahren in einem kleinen Ort ein genau geregeltes,
bürgerliches Leben. Pflichtbewußt. Dienst nach Vorschrift. Abfertigen. Signalstellen. Naja, die Ehe mit seiner älteren Frau läuft mäßig. Dennoch: Alles hat irgendwie seine Ordnung. Aber eines Tages küßt ihn im Dienst die Wirtstochter Anna – und er übersieht ein Signal, es kommt zu einem Zugunglück mit 18 Toten.

Leopold Selinger,           Christian Kainradl  als Fahrdienstleiter

 

Vor Gericht beteuert Anna Hudetzs Unschuld und leistet sogar einen Meineid. Und obwohl es seine Frau, die den Kuß und seine Folgen beobachtet hat, besser weiß, kommt es zum Freispruch. Aber keiner der Beteiligten kann mit der ungesühnten Schuld so einfach zum Alltag zurückkehren, die Katastrophe zieht immer weitere Kreise, und sogar die ‚Toten melden sich zu Wort…“

Jörg Stelling,                   Christina Saginth als Fr.Hudetz

 

 PRÄMIERE: 10.02.2018

Beginn: 19,30h

Kartenreservierung Tel.: 01 544 20 70

Alle Fotos: Bettina Frenzel

Rezension: DER JÜNGSTE TAG
Ödön von Horvath
Wieder hat v. Horvath es geschafft dem Publikum seinen scharfen, klaren und jederzeit geltenden Spiegel menschlicher Verhaltensweisen vorzuhalten. Schon Mitte der Dreißiger-Jahre des 20. Jahrhunderts brachten ihn die Arbeiten zum Stück DER JÜNSTE TAG in den Focus der Nationalsozialisten. Zuerst für kurze Zeit als unpolitischer Geduldeter. Anschließend jedoch erkannte man damals seinen Hang für gesellschaftspolitische Themen und v. Horvath fiel in Ungnade. Nicht zuletzt konnte das damalige Regime es nicht verkraften, den honorigen Fahrdienstleiter Hudetz (Christian Kainradl), also einen damaligen Staatsbeamten, mit Fehlern präsentiert zu bekommen. Nach dem Motto: Staatsbeamte machen keine Fehler! Staatsbeamte schwören keinen Meineid und lassen sich auch im Dienst nicht ablenken. Noch dazu von einer, dem gemeinen Volk angehörenden Wirtstochter Anna (Susanne Preissl). Die anfänglich in jugendlicher Unsicherheit ihrer Gefühle agierende Anna hat Hudetz Unsicherheit durch das eintönige Familienleben mit seiner Frau (Christina Saginth) erkannt und für einen schnellen Kuß am Bahnsteig ausgenützt. Eine notwendige Signalstellung erfolgte zuspät und es kam zur Kollision zweier Züge mit 18 Toten. Da Anna sich bei Hudetz trotz ihres eigenen Verlobten (Valentin Frantsitz) in des Fahrdienstleiters Ehe drängen wollte, schwor sie einen Meineid um dem Fahrdienstleiter bei Gericht aus der Schuldfrage herauszuhelfen. Jetzt war Hudetz von dieser entlastenden Aussage abhängig. Die Aussagen des überlebenden Heizers Kohut (Tom Jost) und des tödlich verunglückten Lokführers Pokorny (RRemi Brandner) aus den Jenseits, brachten jedoch das Gewissen von Anna und Hudetz so stark in Bedrängnis, daß Anna meinte doch noch die Wahrheit sagen zu müssen und Hodetz zum Anschlußverbrechen, Anna durch Tötung an einer Aussagenänderung zu hindern. Hodetz wird gefaßt und nimmt sich jedoch das Leben indem er sich vor den einfahrenden Zug wirft. Christian Kainradl, Christina Saginth sowie Susanne Preissl lieferten dabei die tragenden Rollen in ausgefeilter Glaubwürdigkeit einer auch heute noch existenten Gesellschaft. Jörg Stelling als Bruder von Frau Hudetz, hing sein Fähnchen nach dem Wind. Georg Kustrich als Wirt zum „Wilden Mann“, beschützte seine Tochter Anna, egal wie. Angelika Auer als Frau Leimgruber konnte sehr treffend die Meinung des gemeinen Volkes wiedergeben. Leopold Selinger als Gendarm brachte eine gewisse Beamtenmentalität zum Ausdruck. Matthias Messner als Waldarbeiter, untersuchender Kommissar und Streckengeher konnte in allen drei Rollen überzeugen. Wer das heutige ländliche Leben kennt weiß auch die wirklichkeitsnahe Blaskapelle der Feuerwehr zu schätzen. Eine sehr gelungene Repristination der damaligen Gesellschaft im heutigen Leben mit viel Engagement. Dem Regisseur Peter M. Preissler, für die Bühne Julia Krawczynski, für Kostüm Alexandra Fitzinger, für die Maske Gerda Fischer sowie das Licht von Andreas Pamperl und Clemens Haas und die musikalische Einrichtung von Fritz Rainer darf zur Leitung beziehungsweise der Durchführung dieser Aufführung gratuliert werden.
Rez. von infos-news Alfred Klein